8. Internationale Chortage 2003,
Berichte aus der Offenbach Post vom Dienstag, 17. Juni 2003

  
Fotoalbum

Imaginärer Publikumspreis
ging klar auf die Philippinen


Folklore-Abend füllte zum Auftakt des Chorfestivals die Sporthalle

Mainhausen (mt) •
Eröffnet wurden die Mainhausener Chortage mit einem Folklore-Abend. In der akustisch trefflichen Sporthalle Zellhausen, mit 1400 Zuhörern randvoll besetzt, herrschte von Anfang an jene Atmosphäre, die den Reiz der Sache ausmacht. Dieter Gröning, Bürgermeister und zugleich Vorsitzender des Förderkreises Internationale Chortage, betonte deren Grundphilosophie - den Völker verbindenden Gedanken. Das Konzert der Klangfarben begann mit El Cafe Chorale aus • Costa Rica, der unter Leitung von David Ramirez mit lateinamerikanischen Klängen die Zuhörer verzauberte. Mit dem Männerchor Gric aus Zagreb und dem gemischten Chor aus Rijeka hielt die slawische Seele Einzug. Eine einzigartige Werbung für Frauenchöre war der Auftritt der 38 Schullehrerinnen aus Sibirien.

Was die Damen aus Krasnojarsk mit ihrem künstlerischen Leiter German Shakhramanyan zelebrierten, war Chorklang der besonderen Art. gewesen.Dies galt auch erneut für den Männerchor Azuoliukas aus Wilna; wobei die jungen Herren aus Litauen mit ihrem Dirigenten Vytautas Miskinis als Reverenz an die Gastgeber mit Franz Schuberts Komposition „Die Nacht" für den absoluten künstlerischen Höhepunkt des Abends sorgten. Mit perfekter Choreografie, schönen Melodien und faszinierender Ausstrahlung agierten die jungen Sängerinnen und Sänger des Universitätschors der Philippinen. Die musikalische Leiterin, Professor Janet Sabas-Aracana, sang sich mit ihrem Ensemble unverzüglich in die Herzen der Zuhörer. Ja, wenn's bei den Mainhausener Chor tagen einen Publikumspreis gäbe: Die Frage nach dem Träger wäre bereits am ersten Abend beantwortet.

Mit perfekter Choreografie, schönen Melodien und faszinierender Ausstrahlung agierten die jungen Sängerinnen und Sänger des Universitätschors der Philippinen.

Pianissimo-Experten
überzeugten die Juroren

Wertungssingen: Damen aus Krasnojarsk und gemischter Chor aus Costa Rica erfolgreich / Gesamtsieg nach Litauen


Sieger nach Punkten: Der von Vytautas Miskinis geleitete Männerchor Azuoliukas aus Wilna (Litauen) setzte sich nicht nur in der Kategorie "Männerchöre" durch. Er sicherte sich als das beste Ensemble des Wettbewerbs auch den Preis des Schirmherrn, Staatssekretär Bernd Abeln.


Mainhausen (mt) • So unvergleichlich die Leistungen der Sänger bei den achten Internationalen Chortagen Mainhausen, so schwierig die Aufgabe der Jury. In drei Kategorien - Frauen, Männer, gemischt - waren die Wettbewerber zu bewerten, säuberlich getrennt nach den Kriterien Intonation, Rhythmik, Dynamik, Stimmenausgleich und Interpretation. Maximal 100 Punkte waren zu erzielen, die Prädikate Gold, Silber und Bronze zu erreichen und Preise mitzunehmen - 600 Euro für den ersten, 650 für den zweiten, 200 für den dritten Platz. Dazu kam der Hauptpreis des Schirmherrn -2 500 Euro für den Gesamtsieger, ausgelobt von Bernd Abein, Staatssekretär im Hessischen Finanzministerium, übergeben von ihm und Förderkreis-Vize Winfried Wolf. Als Juroren hatte der Förderkreis zwei namhafte Musiker gewonnen: Dr. Hans Jaskulsky, lange beim Liederkranz Zellhausen, heute an der Ruhr-Universität Bochum tätig; und Professor Hellmuth Drewes, als Leiter des Internationalen Chorwettbewerbs im österreichischen Spittal an der Dräu einschlägig erfahren. Obwohl sie einander zuvor nicht kannten, hätten sie im Urteil stets dicht beieinander gelegen, versicherte Jaskulsky. Ganz im Geist von Richard Wagners „Meistersingern von Nürnberg" seien sie dabei eher Hans Sachs als Sixtus Beckmesser gewesen. Drewes zeigte sich „nach anfänglicher Skepsis, als ich erfuhr, dass der Wettbewerb in einem Turnsaal steigt" begeistert - sowohl von dessen Akustik als auch von der Atmosphäre im Publikum.

Und so entschied die Jury:
Den ersten Preis in der Frauen-Kategorie mit Prädikat Gold sicherte sich der Kammerchor der Lehrerinnen aus Krasnojarsk (Russland). Rang zwei belegten die Damen des Universitäts-Konzertchors der Philippinen, erhielten ebenfalls Gold. Mit einem dritten Preis und einer Silbermedaille fährt der Mädchenchor der Universität Miskolc wieder heim nach Ungarn.
Sieg und Gold bei den gemischten Chören trug das Ensemble El Cafe Chorale aus Costa Rica davon. Die Herren von den Philippinen freuten sich über den zweiten Preis, gleichfalls mit Gold veredelt. Ebenfalls auf dem (fiktiven) Treppchen stand Jeka Primorja aus dem kroatischen Rijeka mit dem dritten Preis, der silbern glänzte.
Nicht zu schlagen waren die 35 Männer von Azuoliukas aus dem litauischen Wilna. Die Pianissimo-Experten unter Leitung von Vytautas Miskinis räumten Gold, Platz eins und mit der höchsten Punktzahl überhaupt (94,5) den Hauptgewinn ab. Auf Rang zwei in der Männerwertung (mit Goldschmuck) brachte es die Harmonie Lindenholzhausen. Die Filipinos, als Einzige in allen drei Kategorien angetreten, schafften den dritten Platz - mit Gold.
Sieger-Dirigent Miskinis giltübrigens als einer der bedeutendsten lebenden. Chorkomponisten. Seine Werke, von den renommiertesten Profis aufgeführt, sind in den Konzertsälen der Welt zu Hause.
Als Chormeister schätzt ihn Mainhausen seit 1988, als er beim ersten Chorwettbewerb mit seinem Knabenchor aus Wilna Akzente setzte.



Sieger in der Klasse "Frauenchöre" nach Punkten: Der Kammerchor der Lehrerinnen aus Krasnojarsk (Russland).



Sieger in der Klasse "Gemischte Chöre" nach Punkten: El Café Choral aus Costa Rica unter Leitung von David Ramirez.


Urwüchsige Kraft der
Texte in Töne gefasst

Gabriel-Komposition bei Chortagen mit Erfolg uraufgeführt

Mainhausen (mt) • Bei den achten Internationalen Chortagen Mainhausen bekamen nicht nur die Einheimischen etwas geboten. Gewissermaßen als Geschenk für die ausländischen Ensembles, die es zu einem echten Fest der Musik machten, hatte der Förderkreis beim Seligenstädter Regionalkantor Thomas Gabriel eine Komposition in Auftrag gegeben. So konnten die örtlichen höre ihren Gästen eine veritable Welturaufführung bieten.
„Manie herzeleit" lautete der mittelhochdeutsche Titel des im Mittelalter angesiedelten, aber mit barocken bis gemäßigt modernen Mitteln arbeitenden Werks. Wollte der Komponist doch keineswegs sondern die Kraft und Ursprünglichkeit der neun Texte in Töne umsetzen - angesichts so berühmter Autoren wie Walther von der Vogelweide oder Wolfram von Eschenbach ein ehrgeiziges Unterfangen; vergleichbar mit Carl Orffs „Carmina Burana".
Und wie bei diesen ist das Spektrum der Gefühle groß. Da wechseln feierliche Lieder (Lob der Musik) mit fröhlichen Intermezzi (Lob des Frühlings beziehungsweise der Natur),


 
traurigen Stücken (Liebeskummer, also das den Titel spendende „herzeleit") und ausgelassenem Trinklied. Die Zeit der Minnesänger feierte so in den Versen fröhlich-wehmütige Urständ', ihre Musik zumindest stilistisch.
Wunderbar harmonisierten "Die Freunde" Zellhausen mit Frauen- und Männerchor sowie „La Capella" des Liederkranz, mit Jugend-, Frauen- und Männerchor der Harmonie sowie mit „Contrapunkt" des Sängerbundes Mainningen. Einfühlsam mit Violine, Violoncello und Kontrabass, Blockflöte, Oboe, Fagott und Gitarre begleitet vom Instrumentalensemble Arcangelo, sangen auch die Solisten Stefan Claas (Bariton) und die erst ganz kurzfristig eingesprungene Daniela Wolf (Sopran) auf hohem Niveau. Von Moderator Hubert Reuter eingangs vergattert, nicht zwischen den Teilen zu klatschen, spendete das hingerissene Auditorium am Ende um so mehr Applaus. So stark war der Beifall, dass die Ausführenden den ersten Satzals Zugabe wiederholten.

Die Uraufführung "Manic herzeleit", dirigiert und komponiert von Thomas Gabriel Regionalkantor in Seligenstadt.

Sänger zogen noch
einmal alle Register

Preisträgerkonzert krönender Abschluss

Mainhausen (mt) • Sehen - hören - erleben: Unter diesem Motto, mit einer dreistelligen Zahl Mitwirkender und 13 Ensembles aus zehn Städten in sieben Ländern geriet die achte Auflage der Internatio nalen Chortage Mainhausen in Sporthalle und Bürgerhaus Zellhausen zu einem Musikfest der Superlative. Auf die Frage, warum es nicht noch mehr waren, antwortete der musikalische Direktor Hubert Reuter lapidar-diplomatisch: „Der kluge Gastgeber lädt nur so viele Leute ein, wie er un terbringen kann." Wolle man sich doch kein übermäßiges Defizit einhandeln...
In der Tat erwies sich die Organisation wieder als echte logistische Herausforderung. Schon im Vorfeld hatte der Vorstand des Förderkreises, bestehend aus Cornelia Daun, Winfried Wolf, Jürgen Guttmann, Christian Fröhlich, Helmut Hotz, Udo und Hubert Reuter, Herbert Simon und Alfons Wolf, ganze Arbeit geleistet. Untergebracht waren die Akteure bei Familien in der Gemeinde und weit darüber hinaus - bis ins Freigericht. Da „auch begnadete Künstler essen und trinken müssen", so der von Juror Dr. Hans Jaskulsky als „brillanter Moderator" gewürdigte Reuter, waren zudem zahlreiche Helfer hinter den Kulissen mit der Verköstigung der Gäste sowie des vielköpfigen Publikums beschäftigt. Von einer „ganz großartigen Mann- beziehungsweise Frauschaft" sprach Juror Professor Hellmuth Drewes.

Als Sprachtalent mit dem Papst verglichen, verabschiedete Christian Fröhlich die Chöre auf Deutsch, Spanisch, Ungarisch, Russisch, Kroatisch und Litauisch; sehr zu deren Vergnügen. Diese selbst gaben beim Preisträgerkonzert zum Abschluss, den Wünschen der Jury folgend, noch einmal ihr Bestes. Auch wer kein Wort verstand, freute sich am Humor des kroatischen Vokalensembles Gric. Erfasste jede Nuance beim paprika-feurigen Vortrag der Studentinnen aus Miskolc und ihrem fröhlichen Rondo. Oder pflegte seine romantische Ader bei den getragenen Weisen der blauweiß gekleideten Kroaten aus Rijeka.
Den stürmischsten Beifall ernteten die in Tracht auftretenden Russinnen, die nach zwei Rachmaninow-Stücken bei der modernen „Incarnati on of Iron" alle Register zogen, auch die des Sprechgesangs. Ihre jazzige Zugabe begleitete rhythmisches Fingerschnippen. Gangeskunst in Vollendung demonstrierten die Litauer von Azuoliukas mit einer Komposition ihres Leiters Vytautas Miskinis. Von Frohsinn bis zu eherheiterer Traurigkeit reichte die Spannbreite der Costa-Ricaner. Und mit Musical und Gospels besorgten die Publikumslieblinge von den Philippinen in farbenprächtigen Gewändern dann den Ausklang. Überhaupt - wie sagte Reuter, Richard Wagner zitierend: „Das Beste an der Musik steht nicht in den Noten." So war's in der Tat!



Zu Beginn des Preisträgerkonzertes, Vertreter der beteiligten Chöre und des "Förderkreises Internationale Chortage Mainhausen" bei der Preisverleihung.

Platzierung

Frauenchöre (Samstag 14.Juni 2003) Land Dirigent Wertung Prädikat

 
1. Krasnoyarsk Female Chamber Choir of Teachers
2. University of Philipinnes Concert Chorus, Manila
3. Mädchenchor der Universität Miskolc
    Renaissance, Chisinau (nicht teilgenommen)
  


Rußland
Philippinen
Ungarn
Moldavien

Prof. German Shakhramanyan
Prof. Janet Sabas-Aracama
Prof. Zoltán Sándor
Prof. Oxana Filip


 91,50
 89,13
 84,25


 Gold
 Gold
 Silber
Männerchöre (Samstag 14. Juni 2003)        


1. Azuoliukas, Vilnius
2. Männerchor Harmonie Lindenholzhausen
3. University of Philipinnes Concert Chorus, Manila
4. Vokalensemble Gric, Zagreb
5. MGV „Union“ 1873 Wald-Michelbach
6. The Josephinum Choir, Ohio
    


Litauen
Deutschland
Philippinen
Kroatien
Deutschland
Amerika

Vytautas Miskinis
Martin Winkler
Prof. Janet Sabas-Aracama
Branco Stark
Hans Joachim Karl
James Yeager

 94,50
 92,50
 85,50
 80,80
 68,75
 67,79


 Gold
 Gold
 
Gold
 Siber
 Bronze
 Bronze

Gemischte Chöre (Sonntag 15. Juni 2003)        


1. El Café Chorale, San José
2. University of Philipinnes Concert Chorus, Manila
3. Jeka Primorja, Rijeka


Costa Rica
Philippinen
Kroatien


David Ramirez
Prof. Janet Sabas-Aracama
Aleksandra Jug-Matic


 86,90
 85,50
 70,43

 Gold
 Gold
 Siber
Hauptpreis des Schirmherrn (höchste Punktzahl)        


   Azuoliukas, Vilnius,


Litauen
 
Vytautas Miskinis
 94,50
 2500 €